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Felix Bronkalla verkörpert den Reichsbürger Max im gleichnamigen Solostück des LTS, das in der MEWO Kunsthalle gezeigt wird. Foto: Svenja Gropper
Memmingen (sg). Deutschland existiert nicht, die Bundesrepublik ist eine GmbH, die Bundesregierung bloß Befehlsempfänger der alliierten Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg und Selbstverwaltung der einzige Ausweg - das ist die „Wahrheit“, die Schauspieler Felix Bronkalla in der sehr glaubhaft verkörperten Rolle des Reichsbürgers Max in einem intensiven und interaktiven Solostück propagiert.
Er rüttelt auf, schockiert, amüsiert und stößt ab, während er sich immer wieder in Rage redet. Laut und energisch schreitet der junge Mann durch die in einem Halbkreis aufgestellten Reihen und stellt Fragen wie „Sind Sie eigentlich frei?“, „Wissen Sie, wofür Ihr Personalausweis steht?“ oder bezeichnet die Zuhörer als „schlafende Schafe“. In einem Parforceritt durch aneinandergereihte Themen – zum Teil nur mit in den Raum geworfenen Schlagwörtern – will er von seiner Wahrheit überzeugen. Den Zuhörern erklärt er, sie seien „eingemauert in den Grenzen ihrer Wahrheit“. Das Stück beleuchtet dabei auch die letztlich philosophische Frage: Was ist eigentlich Wahrheit?
Max‘ Ausführungen, warum Deutschland nicht existiert, klingen durchaus plausibel. Und doch mangelt es den Behauptungen teilweise an aussagekräftigen Beweisen. „Die sogenannte BRD ist kein richtiger Staat, daher fühle ich mich weder zugehörig noch verpflichtet“, sagt Max, der mit seiner roten Mütze, der dunklen Jacke und dem weißen T-Shirt die Farben des Deutsches Reiches trägt - anfangs noch unter einem grünen Janker verborgen. Er sieht die Haager Landkriegsordnung von 1907 als Rechtsgrundlage. Reichsbürger zu sein bedeutet für ihn Freiheit, Selbstverwaltung und Widerstand gegen den nicht existenten Staat und die Unterdrückung des deutschen Volkes. Ein Volk der Höchstleistung, bevor es mit dem „Schuldmythos“, tabuisiertem Nationalstolz und der „Einkreuzung schlechten Genmaterials“ geschwächt und verroht wurde. Über Gastarbeiter, Islamisierung und „schmarotzende Bürgergeldempfänger“ der jungen Generation lässt Max sich ausführlich aus, ebenso über „unfreie Medien, die die Besetzung als Demokratie verkaufen“.
Reichsbürger seien, so Max, ganz normale, unpolitische Leute – „und wir sind viele“, die einfach ein bisschen weiterdenken, die ihre Heimat zurückholen und sich aus der Versklavung befreien wollen. Prozesse gegen Reichsbürger dienen, sagt er, nur dazu, vom Staatsversagen abzulenken.
Das Ziel ist eine „neue Aufklärung“. „Das System wankt. Die Frage ist nicht, ob es kippt – sondern nur, wann es kippt“, ist Max sich sicher, der sein Grundstück bereits unter Selbstverwaltung gestellt hat. Dort verteidigt er sich auch mit Waffen, erklärt er. Eine handliche Waffe trägt er immer bei sich und präsentiert diese stolz am Ende des Stückes. „Des einen Freiheitskämpfer ist des anderen Terrorist“, erklärt er lautstark und durch den Raum schreitend, eine Einsicht der Zuhörer fordernd.
„Der Hass des Menschen staut sich auf und irgendwann kommt er auch aus dem Menschen raus!“ - mit diesem Ausspruch endet die gut 75-minütige Vorstellung.
Langanhaltender Applaus und Standing Ovations belohnten diese gelungene Premiere, zu der das Landestheater Schwaben (LTS) auch eine Einführung sowie einen Fakten-Check vorbereitet hatte.